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Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
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Thüringenultra 2012
Der 5. Stern von Fröttstädt........eine Willensleistung!


Am 7. Juli 2012 um 4 Uhr ging es los! Gemeinsam mit HD (Heinz-Dieter Miess), der mit einer einmaligen Sondergenehmigung als Staffel-Startläufer (2x50) mit mir um 4 Uhr starten durfte lief ich durch die Schwedenfeuer.

Wir hatten abgemacht, daß wir so weit es ging zusammen laufen wollten. Allerdings war auch klar, daß jeder sein Tempo läuft, wenn es nicht mehr zusammen passt.

Dieses Jahr gab es eine geänderte Streckenführung mit 120 HM mehr. Es war allerdings nicht nur die reine Zahl von nun 2270 Höhenmeter, sondern auch die Art und Länge der neu dazu gekommenen Berge. Kurz, es war deutlich schwerer geworden. Dies konnte man auch deutlich an den jeweiligen Endzeiten erkennen.
Sehr schnell mußte ich feststellen, daß mir meine Oberschenkelmuskulatur (vorn) zunehmend zu schaffen machte. Jeder Schritt auf abschüssigem Gelände war mit Schmerzen verbunden. Zum Glück trat dies in der ersten Hälfte des Rennens nicht durchgehend auf.

An der Glasbachwiese (neue erste Staffelwechselstelle) kamen wir gemeinsam an und fühlten uns eigentlich noch ziemlich gut.

Dann traten langsam bei HD Probleme auf. Er klagte teilweise über Knieprobleme.

Ich fühlte mich dagegen immer besser. Ich spürte, daß sich ein Formhoch andeutete und versuchte es ab km 38 einfach mal.

Am nächsten leichten Anstieg beschleunigte ich versuchsweise und war erfreut, wie gut es ging.
Die nächsten fast 17 km bis Floh Seligenthal lief ich einen Schnitt von weit unter 6 Minuten.
Es lief, als wäre ich gerade losgelaufen.

Allerdings nahm ich meinen Willen zusammen und lief doch noch ziemlich kontrolliert, um in Anbetracht des ab km 55 folgenden Abschnittes nicht zu überziehen.

Kar-Heinz, mein treuer Radbegleiter (das 3. mal schon) war begeistert über meinen Lauf in diesem Abschnitt und sagte immer wieder begeistert: "Mann, Du läufst super gleichmäßig über 12 km/h".

HD konnte dieses Tempo nicht mitgehen und hat es zum Glück auch nicht auf Biegen und Brechen versucht, denn das wäre seinem Knie sicher nicht bekommen!

Dieses mal verschwendete ich übrigens keinen Gedanken an eine etwaige Aufgabe, wie es im Jahr davor der Fall war. Der 5. Stern sollte her - unter allen Umständen.

Und die Umstände wurden dramatisch!!!

Hoch zur Ebertswiese lief es noch normal für meine Verhältnisse. Ein Wechsel zwischen Laufen und Gehen.

Doch als der Abstieg begann traf es mich wie ein Blitz - jeder Schritt schmerzte! So konnte ich natürlich meine eigentliche Stärke - das Bergablaufen - vergessen. Im Gegenteil, jeder Abschnitt, an den es abwärts ging, wurde zur Qual und verlief dementsprechend langsam.

Dazu kam noch, daß auch im 2. Abschnitt des Rennens Neuerungen auf uns warteten. Ich möchte nur den "neuen Berg" in Tambach erwähnen. Nach dem langen kräftezehrenden Abschnitt nach Tambach hinein (sehr steinig) traf es wohl jeden wie eine Keule, als der Berg kurz nach der Verpflegungsstelle in Sicht kam!

Aber auch den konnte ich noch relativ gut hochgehen - denn da war der Schmerz ja weg.

Allerdings war er jetzt auch in ebenen Bereichen vorhanden - in den Abstiegen ja sowiese.

Kurz gesagt, die letzten rund 25 km ab Finsterbergen wurden zur echten Qual. Ich mußte mich immer wieder zwingen, um überhaupt zu laufen. Allerdings gelang mir dies bis zum Schluß - allerdings mit beinahe übermenschlichem Willenseinsatz!

Zwei Ereignisse gaben nochmals Hilfestellung. Zum einen der wieder grandiose Empfang an der Verpflegungsstelle bei km 95. Diese Truppe wird immer besser. Es ist kein Wunder, daß sie in Ultrakreisen schon beinahe weltberühmt geworden sind.
Mein Musikwunsch "Sultans Of Swing" von den "Dire Straits" wurde erfüllt.
10 Läufern wurde dieser Service gewährt - ein neuer ganz toller Einfall!

...und dann lief da noch bei km 97,5 ein mir bestens bekannter Läufer von hinten an mich heran:

Es war Günther Pohl, aus Erfurt, der einzige Starter in der AK M70 und der damit älteste Teilnehmer an diesem Lauf.

Er bot mir an, mit mir gemeinsam über die Ziellinie zu laufen. Die letzten 2,5 km liefen wir dann das gleiche Tempo und ich fasste beim Zieleinlauf seinen Arm und hob ihn in die Höhe.
Eine solche Leistung mit über 70 Jahren ist fast unvorstellbar und kann eigentlich nicht genug gewürdigt werden.

Ich hatte es geschafft. Die Qual und die Schmerzen hatten sich gelohnt!

Der 5. Stern - er war da!

Sofort nach Zieleinlauf sagte ich zu Christine: "Ich glaube das war es - ab nächstes Jahr nur noch Staffel. Für mich als ausgewiesenen Nicht-Bergläufer ist der geliebte Lauf eindeutig zu schwer geworden. Laufen soll Spaß machen.

Das gestern war speziell für mich alles andere als Spaß - ich habe mich noch nie so quälen müssen und hatte auch noch nie bei einem Lauf solche Schmerzen!

Dieser "Stern" wird wohl für immer der am härtesten erkämpfte Erfolg in meiner "Laufkarriere" bleiben!

Zum Schluß noch einige Bemerkung über den Lauf allgemein. Wie immer war es eine perfekte liebevolle Organisation - das wurde mir unterwegs von mehreren Läufern immer wieder gesagt.
Ich war ja am Trikot als Mitglied des veranstaltenden Laufvereins "Lauffeuer Fröttstädt" erkennbar.

Ich werde dem Lauf treu bleiben - aber ich bleibe nach 1 Tag Abstand dabei:

5 Sterne genügen !

Gerd Müller


P.S.   ach so, das Ergerbnis:  13:47:38 / Platz 132 / AK 5. (10)
 
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