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Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
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Thüringenultra 2013 - meine erste 2er Staffel!

Auf Grund meiner Zehenverletzung und des damit verbundenen großen Trainingsausfalles hatte ich bereits beim Rennsteiglauf von SM auf M umgemeldet. Auch in Frohnau von 24 auf 12 Stunden.

 

Da ich auch überzeugt war, die 100 km dieses Jahr in Fröttstädt nicht bzw. nur unter riesigen Qualen zu schaffen und mir damit nichts Gutes tun würde, meldete ich auch meinen "Hauslauf" von 100 km auf 2er Staffel um.

 

Ich glaube, es war eine sehr gute Entscheidung - der Rennverlauf sollte das deutlich bestätigen!

 

2er Staffel, ja ich schreibe mit Absicht nicht (wie ausgeschrieben) 2 x 50 km Staffel, denn der erste Läufer muss 54 km laufen, während es beim zweiten "nur" 46 km sind.

Das kam durch die Streckenänderung im ersten Teil der Laufstrecke.

 

Drei Uhr klingelte der Wecker und nach einem Frühstück führen wir gemeinsam nach Fröttstädt. Wir, das waren Christine, ich und Franklin sowie Esther und HD Miess nebst den Hunden Grobi(groß) und Tulip(sehr klein) - das Auto war voll!

 

HD lief die erste Teilstrecke und ich die zweite. Unter anderem auch, weil ich mit hohen Temperaturen besser zurechtkomme.

 

Ich verfolgte also auch den Start mit und war unterwegs an mehreren VP beim "Fanclub" immer mit dabei, um HD anzufeuern!

 

Bei km 27 war er noch gut beieinander, war allerdings sehr beeindruckt, vom Schwierigkeitsgrad dieser ersten Teilstrecke. Scheinbar nicht enden wollende Berge!

 

Bei km 33 war es dann so weit, er erlebte eine Krise, die es in sich hatte! Er klagte über Schwäche ausgelöst durch Kreislaufprobleme. Allerdings zeigte er sich als Kämpfer vor dem Herrn und wollte unbedingt noch mindestens 10 km bis zum nächsten anfahrbaren VP laufen.

Wir einigten uns, dass ich dort umgezogen auf ihn warte und bei Bedarf früher ablöse!

 

Nicht ohne Sorge um seine Gesundheit, stimmte auch Esther schließlich diesem Vorhaben zu!

 

Auf den nächsten 10 km erlebte auch HD das Wunder einer Erholung unter andauernder Belastung. Als er bei km 43 ankam, hatte er sich erholt und nahm den relativ leicht und gut zu laufenden Abschnitt bis Floh Seligenthal über 11 km unter die Füße. Ohne jedes Problem schaffte er das - ja er konnte durchlaufen.

 

Klasse - HD!!

 

Nach ganz knapp über 7 Stunden war ich an der Reihe. Ich hatte mir vorgenommen, vorsichtig und diszipliniert zu laufen. Ich wusste ja, dass mir jede Menge Vorbereitungskilometer fehlten und dass ich erst vor drei Wochen den 12 Stunden Lauf in Frohnau gemacht hatte!

 

Bekanntlich geht es die ersten sieben Kilometer nach Floh-Seligenthal fast nur bergauf.

Beim oftmaligen Gehen nach oben hatte ich teilweise einen Puls von 160. So ganz langsam war es also gar nicht.

 

Auf halber Höhe auf dem Weg zur Ebertswiese hatte ich sie - Petra tauchte mit ihrer Radbegleiterin vor mir auf und ich war auch relativ flott vorbei.

 

Im Vorjahr war es an fast der gleichen Stelle andersherum gewesen. Da lief ich die 100 km, Petra hatte ihre Staffel bei km 54 begonnen und hatte mich am Berg überholt!

Sie kam nach schwerem Kampf gestern ins Ziel, obwohl Blasen es ihr schrecklich schwer machten!

 

Ja und dann begann der Blödsinn für den ich später zahlen musste! Petra war Nummer 5 gewesen - ich begann die überholten 100 km Läufer nur so aus Spaß zu zählen. Die Zahl stieg rasant schnell an. Natürlich war es nur aus Spaß, denn die Kollegen hatten alle 54 km mehr als ich in den Beinen.

 

Kurz nach Petra tauchte vor mir der nächste Bekannte aus dem Forum der Streakrunner auf.

Es war Michael Kohlbrock - genannt Kolibri!

Er hatte in dem Moment gerade furchtbar zu kämpfen. Es war es sichtbar schwer für ihn. Er bekannte, dass seine Beine im Moment gerade völlig kraftlos und leer seien. Auch ihm fehlten dieses Jahr so einige Laufkilometer in der Vorbereitung. Allerdings kämpfte auch er sich durch und finishte diesen schweren Lauf!

 

Von der Ebertswiese runter nach Tambach packte ich so richtig meine Fähigkeit zum Bergablaufen aus - ich flog förmlich den Berg runter.

Wenn man bedenkt, dass ich die ersten 7 km viel gehen musste, kann man vielleicht erahnen, wie ich runter gerannt bin. Die ersten 14 km bis Tambach lief ich nämlich in 1:31 h!

 

Nach dem VP spürte ich am furchtbaren Anstieg aus Tambach heraus zum ersten male einen Anflug von Schwäche. Als ich oben war, war dieses Gefühl aber schnell wieder vorbei und ich setzte meinen Verfolgungslauf fort.

 

Runter ins Tal vor Finsterbergen ließ ich es wieder so richtig "krachen"!

 

Oben in Finsterbergen war ich das erste mal richtig kaputt, konnte mich aber nochmals leicht erholen. Das Tempo ging jetzt deutlich zurück, doch ich konnte durchweg laufen - noch!

 

Am VP bei km 86 war dann das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich musste für meine Laufweise zahlen - bis ins Ziel!

 

Jetzt waren Gehpausen angesagt und die Sonne fing an zu brennen. Gut, das macht mir im Normalfall kaum etwas aus - doch es war kein Normalfall mehr.

Es war der pure Kampf!

 

Ich war sicher, dass auch bei vernünftiger Laufweise an diesem Tage die 100 km unmöglich gewesen wären!

 

Bei km 99,5 stand HD an der Strasse und erwartete mich. Er filmte mich die ganzen letzten 500 m mit seiner Kamera.

 

Wie fast immer, gelang es mir, am Schluss nochmals so richtig zu steigern. Ich konnte wieder richtig schnell laufen. HD musste alles geben, um in seinen Sandalen mithalten zu können und dazu noch zu filmen.

 

Dass es eben doch nur 46 km waren spürte ich dann danach und auch heute. Die Nachwirkungen sind gering, so dass ich sogar problemlos Treppen steigen kann.

 

Ich kann sagen, dass es wieder ein schönes Lauferlebnis war. Nächstes Jahr sollen es wieder 54 km mehr werden - dann hoffentlich besser vorbereitet und taktisch etwas klüger!

 

 

Gerd Müller

 
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