Marathons und länger:
  101 (25 Ultras)
 

 
 
 
   
 
Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
Diese Seite arrow Laufberichte arrow Frankfurt 2013 - ein Erlebnismarathon
   
 
 
   
 
Frankfurt 2013 - ein Erlebnismarathon

  Nachdem meine letzte Schicht in der Betriebszentrale Frankfurt so schön war (Danke nochmals Kollegen), dass sie mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird, sollte es mit dem Marathon in Frankfurt auch so sein.

 


 

Es sollte ein schöner Erlebnislauf zum Abschied werden!

 

Er wurde es.....aber unter anderen Vorzeichen! Dieser Marathon wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben!

 

Die Vorbereitung war dieses Jahr längst nicht so, wie sie eigentlich hätte sein sollen um einen Marathon erfolgreich zu bestehen.

 

Immer wieder wurde ich durch die Probleme mit meiner Fußsohle ausgebremst

 

Ich dachte, dass der 6 Stunden Lauf in Rotenburg vier Wochen vor dem Marathon diese Rückstände wieder ausgeglichen hätte.

 

Natürlich war das nicht so - ich hatte weder genug richtig Lange Trainingseinheiten noch Training der anaeroben Ausdauer in meiner "Vorbereitung" auf Frankfurt.

 

Im Prinzip kein Problem. Da läuft man eben langsam genug und kann den Marathon genießen!  Eigentlich gar kein Problem für einen Läufer mit beinahe 27 Jahren Lauferfahrung - sollte man meinen!

 

Doch am Beginn fühlte ich mich wohl und nach paar Metern beschloss ich, doch zu versuchen, Jan zu einer Zeit unter 4 Stunden zu verhelfen.

Er war nämlich nach Rotenburg wieder mit mir am Start um seinen ersten richtigen Stadtmarathon zu absolvieren.

 

Die Bedingungen waren bescheiden. Starker böiger Wind wehte uns die gesamte Strecke um die Ohren und ein etwas andauernder Regenschauer war auch dabei, welcher mich aber nicht sehr störte, da es ja nicht kalt war.

 

Also, wir wollten versuchen, unter 4 Stunden ins Ziel zu laufen und begannen demzufolge nicht sehr langsam. Die Pace der ersten 10 km lag unter 5:30 min/km!

 

Es muss ein Anfall von Größenwahn gewesen sein oder was auch immer! Jedenfalls konnte das nach dieser Vorbereitung nicht gut enden!

 

Bereits vor km 20 fühlte ich, wie mich plötzlich und drastisch die Kräfte verließen.

Kilometer 20 durchliefen wir immerhin noch in 1:54 h. Bei der Halbmarathondistanz zeigte die Uhr bereits 2:01 h an und es war klar, dass alle 4 Stundenträume geplatzt waren!

 

Um zu retten was noch zu retten war, griff ich mir mehrere von den ab HM angebotenen Gelpäckchen und "inhalierte" sie beinahe sofort mit mehreren Bechern Wasser. Das war natürlich der nächste gewaltige Fehler. So viel konnte mein gestresster Magen nicht auf einmal verarbeiten.

 

Ich schaffte es gerade noch hinter das nächste Gebüsch - und alles kam wieder!

 

Was dann auf den "letzten" 20 Kilometern folgte, wünscht man keinem. So habe ich mich bei noch keinem Wettkampf quälen müssen!

 

An ein Durchlaufen war nicht mehr zu denken. Es war bis ins Ziel ein Wechsel zwischen Gehen und Laufen.

 

Ich spürte nicht mehr, dass mir eigentlich die linke Ferse geschmerzt hatte - ich spürte eigentlich gar nichts mehr!

 

Ich hatte nur noch einen Gedanken im Kopf:  Du "läufst" bis ins Ziel - unter allen Umständen!

 

"Ich will nicht abbrechen" sagte ich mir immer wieder!

 

Einstein hatte ja so recht - alles ist relativ. Auch die Länge eines Kilometers! Sie wurden immer länger, immer länger!

 

Der Wind wurde immer stärker, immer stärker...! Trotzdem hatte ich immer noch ein Zeitziel - nun wollte ich unter 5 Stunden bleiben!

 

Jan war inzwischen nach vorn enteilt - bereits vor Kilometer 20. Im Ziel erfuhr ich aber, dass  auch er büßen musste und starke muskuläre Probleme bekommen hatte.

 

HD holte mich zwischen km 28 und 29 ein und enteilte nach vorne. Doch auch er wurde nicht verschont und musste noch sehr kämpfen! So war er immerhin "nur" 10 Minuten vor mir im Ziel.

 

Immerhin gelang es mir, die letzten 195 m in die Festhalle laufend zurückzulegen.

Mit einer Zielzeit von 4:49:35 überquerte ich die Ziellinie und fühlte mich danach komischerweise gar nicht so riesig kaputt, dass ich mich hätte hinlegen müssen.

 

Das Gegenteil war der Fall. Nachdem der Lauf beendet war, ging es mit sofort besser und die Probleme waren viel geringer, als eigentlich zu erwarten gewesen wäre.

 

Ich hatte relativ wenig muskuläre Probleme und konnte ohne jedes Problem Treppen steigen.

Auch die Kraft war relativ schnell wieder einigermaßen da.

 

Vorher beim Lauf war ich eigentlich nur "komplett leer"! Völlig kraftlos. Die gesamte Fortbewegung war nur noch über den Kopf möglich. Mir tat nichts mehr weh, ich hatte keine Krämpfe.

 

Schon erstaunlich, dass es mir immer wieder gelang, aus der Gehpause heraus wieder anzulaufen.

 

Fazit:  Ich habe wieder gelernt, dass man auch nach vielen Laufjahren immer wieder solche Anfängerfehler macht. Man sollte niemals überheblich an einen Lauf herangehen und den Respekt von einer Langstrecke vermissen lassen!

 

Die Strafe folgt fast immer auf dem Fuße!

 

Eines habe ich aber erfreut zur Kenntnis genommen. Ich bin sehr leidensfähig und meine Willenskraft ist immer noch die alte.

 

So sehr musste ich sie noch nie beanspruchen.

 

In dieser einen Sache - aber auch nur in dieser einen - konnte ich gestern stolz auf mich sein!

 

Ansonsten habe ich beinahe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

 

In der Vorbereitung und beim Lauf!

 

Nächstes Jahr in Magdeburg soll und wird es besser werden!!!

Es muss nicht unter 4 Stunden sein (ich werde ja auch immer älter), aber ich will mit Anstand gut durchlaufen können!

 

 

 

Gerd!

 

 

 

 
< Zurück   Weiter >

Advertisement