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Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
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Magdeburg Marathon, 19.10.2014

Magdeburg Marathon am 19.10.2014

 

 

Bei diesem Lauf wollte ich versuchen, zum zweiten male innerhalb von 6 Wochen in der Altersklasse auf das Podest zu kommen.

 

Etwas war völlig neu für mich. Zum ersten male lief ich mit einem "Hasen". Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Toni Hecker aus Bremen lief wirklich mit einer Hasenmaske und sorgte damit für viel Aufmerksamkeit bei den Zuschauern!

 

 

Ich kannte Toni Dank des Internets aus dem Forum der Streakrunner und von den Racebookern. Allerdings sollte ich ihn in Magdeburg das erste mal persönlich treffen.

 

6:30 Uhr brachen wir in Havelberg auf. Wir - das waren Christine, Jacky unser Labrador Retriever und natürlich ich selbst als Fahrer. Jacky sollte dieses mal dabei sein, da ja auch so gutes Wetter vorhergesagt war. Er hat uns auch nicht enttäuscht und war ein ganz Guter!

 

Kurz vor 8 Uhr waren wir an Ort und Stelle und konnten uns einen Parkplatz aussuchen. Das Angebot war wirklich mehr als reichlich.

 

Schnell waren wir in der Messehalle und ich holte die Startunterlagen sowie das tolle Event-Shirt mit Farbdruck.

 

Wie vorher abgeklärt, fand ich Toni an der Startnummernausgabe und erkannte ihn gleich.

 

Schnell ein Foto mit ihm und Christian (ein Racebooker aus Bremen, der uns eine Strecke begleiten, dann aber langsamer weiterlaufen wollte).

 

Da ich mich und meinen Stil bei Marathonläufen kannte, war mit Toni angesprochen, dass er mich auf den ersten Kilometern so bremsen sollte, dass wir nicht schneller als 5:30 min/km sein würden. Dies war tatsächlich auch mehrmals erforderlich - bis etwa km 14.

 

Die Strecke war teilweise relativ schwierig zu laufen, da Kopfsteinpflaster und abgestellte Autos die Sache nicht einfach machten.

 

Als ich im weitläufigen Stadtpark einen "Boxenstop" einlegen musste, schickte ich Toni weiter im etwa 7er Schnitt und lief dann kontrolliert wieder auf - so verloren wir nur etwa eine Minute!

 

Langsam wurde es wärmer. Während am Start 13 Grad herrschten, stieg die Quecksilbersäule jetzt unaufhaltsam an und es blies auch ein doch deutlich spürbarer Wind.

 

Mit seiner Hasenmaske war Toni immer die Attraktion bei den Zuschauern. Aber die wenigsten schienen zu wissen, was diese Maske bedeutete. Dass er nämlich "mein Hase" war!

 

Etwa in Höhe der Halbmarathonmarke kamen uns die ersten Läufer der Spitze auf der Begegnungsstrecke entgegen. Da konnte man mal sehen, was man für ein Tempo braucht, um deutlich unter drei Stunden zu finishen (der Sieger lief in 2:44 über die Ziellinie).

 

Toni brauchte mich schon seit einiger Zeit nicht mehr zu bremsen, aber wir lagen gut auf Kurs für eine Endzeit unter 4 Stunden - noch!

 

Dann fing es völlig unerwartet an, richtig schwer zu werden. Ich fühlte mich in den Thüringer Wald versetzt. Es ging plötzlich steil nach oben (auf einem Schild konnte ich lesen "zur Hohenwarthe").

 

Dieser Berg war nicht mal kurz. Ich schätze mal zwei Kilometer lang.

 

Obwohl ich für meine Verhältnisse ziemlich flott nach oben lief, drängelte sich ein jüngerer Läufer natürlich an dem Alten vorbei und forderte Platz zum Überholen. Dadurch kam ich etwas aus dem Rhythmus, doch wir waren fast oben.

 

Dann folgte das, was ich immer wieder erlebe. Ganz schnell war ich abwärts wieder an ihm vorbei und er wurde nicht wieder gesehen!

 

Ich zog meinen Hasen flott den Berg hinunter und dachte, dass es das gewesen war mit den Höhenmetern.

 

Nein - falsch gedacht. Noch zwei oder drei mal mussten wir eine steile Rampe hinauf bis auf die Höhe des Mittellandkanals. Nachdem ich die ersten beiden noch laufen konnte, war bei der letzten Rampe die Motivation im Keller und wir gingen, wie auch alle anderen um uns, diesen erneuten Bergabschnitt!

 

Dann war es so weit - ich fühlte mich plötzlich völlig am Ende und leer! Leider sollte sich das bis zum Ziel auch nicht mehr ändern!

 

Es folgten die härtesten 12 Kilometer an die ich mich überhaupt erinnern kann. Besonders der lange Abschnitt von kurz vor km 33 bis kurz nach km 38.

 

Zwischen diesen beiden Verpflegungspunkten lagen für mich Welten an Strecke und ich habe es nur Toni zu verdanken, dass ich nicht gegangen bin!

 

Ich hatte ihm noch kurz nach dem Start gesagt, dass er mich im Falle einer Krise ruhig richtig vorwärts treiben solle. Dass dies so sehr nötig werden würde, konnte ich da noch nicht ahnen!

 

Es wurde immer schwerer! Ich glaube es ist nur der in den vorhergegangenen 93 Marathons gesammelten Erfahrung zu verdanken, dass ich die Willenskraft aufbringen konnte, die nötig war, um nicht zu gehen!

 

Endlich waren die Geräusche vom Ziel zu hören. Aber es waren immer noch 1,5 km!

Nahm das denn gar kein Ende?!

 

Tatsächlich ging es nochmals hoch auf eine kleine Brücke und Toni dachte sicher, dass ich gleich umkippe als ich paar Schritte ging und sogar ganz kurz stehen blieb!

 

Doch die paar Meter von der Brücke runter reichten, um mich wieder zu "erholen" und die "Reise" fortzusetzen.

 

Da stand auch schon meine Tochter Anja, die auch nach Magdeburg gekommen war und jubelte uns zu!

 

Verblüfft konnte ich noch beobachten, wie ein Läufer kurz vor uns einer abbiegenden Straßenbahn ausweichen musste um nicht überfahren zu werden. Das ist schon ein Ding und sollte nächstes Jahr von den Veranstaltern überdacht werden!

 

Dann war es endlich so weit!  Namentlich vom Reporter von "Radio Brocken" begrüßt, lief ich Arm in Arm mit Toni über die Ziellinie!

 

Ich war Zweiter in meiner Altersklasse geworden! Es stellte sich heraus, dass ein Sieg nicht möglich gewesen wäre, denn der vor mir ins Ziel gelaufene 65 Jährige war an diesem Tag deutlich stärker als ich, denn er war mit 3:52 h fast 19 Minuten vor mir im Ziel!

 

Ich fragte mich in den Stunden danach oft, wieso der Einbruch ab km 30 trotz moderatem und vernünftigem Anlaufen so brutal und anhaltend war und bin zu folgendem Ergebnis gekommen.

 

Der Mitteldeutsche Marathon von Halle lag erst sechs Wochen zurück und in dieser Zeit habe ich meinem Körper die Möglichkeit verweigert, sich richtig zu regenerieren!

 

Beinahe nahtlos habe ich mit der neuen Vorbereitung begonnen und eine der wichtigsten Läuferweisheiten außer Acht gelassen:  "Regeneration ist ein wesentlicher (wenn nicht der wesentlichste) Teil eines guten Marathontrainings"!

 

Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass man gerade im Bereich der Langen Strecken im Ausdauersport niemals auslernt!

 

Ich hoffe, dass es mir im nächsten Versuch, beim Elbdeichmarathon in Tangermünde im April nächsten Jahres besser gelingen wird!

 

So, Toni - es war ein völlig neues Laufgefühl "mit Hase"! Du hast die Sache toll gemacht und warst eine ganz große Hilfe für mich auf diesen furchtbar langen "Restkilometern"!

 

Ich hoffe und freue mich auf den nächsten Versuch mit Dir in Tangermünde!

 

 

Gerd!

 
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