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Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
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Rennsteig 2014

Zum 23. Rennsteig-Marathon fiel die Entscheidung...!

 

 

 

Am Freitag war es wieder mal so weit - der Rennsteig rief! Zum 26. mal folgte ich seinem Ruf! Es ist jährliche Tradition und gehört im Mai einfach dazu. 22 mal war ich auf der Marathonstrecke schon gestartet und wollte sie am Samstag wieder unter die Füße nehmen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich fast jeden Stein auf diesen 43.5 km kenne.

Meine übrigen drei Läufe auf dem Rennsteig waren etwas länger. Drei mal "gönnte" ich mir die harten fast 73 km von Eisenach nach Schmiedefeld auf der Supermarathon-Strecke.

 

Zum 13. mal übernachteten wir in Neuhaus in Startnähe bei Familie Siegel. Auch für sie gehören diese Tage mittlerweile zur Tradition. Sind sie doch immer und jedes Jahr mein "Fanclub" gewesen! Zum zweiten male waren sie dieses Jahr die Gastgeber für zwei weitere Sportler. Esther und HD. Miess aus Mannheim - zwei gute Bekannte von mir, die ich durch den Laufsport kennen gelernt habe.

 

Am Freitag fuhren wir sehr früh los, um dem Berufsverkehr aus dem Weg zu gehen. Dies funktionierte auch vorzüglich. Nach 3,5 Stunden reibungsloser Fahrt waren wir in Gotha.

Natürlich wollten wir unsere "alte Heimat" wieder sehen und nach dem rechten schauen.

 

Bis Ende Oktober 2013 waren wir ja bekanntlich Gothaer.

 

Schnell waren die paar Stunden vorbei und es war Zeit, Esther vom Bahnhof abzuholen.

Sie reiste mit dem Zug von Mannheim an und fuhr mit uns im PKW weiter nach Neuhaus.

Ihr Mann kam dann mit dem eigenen PKW hinterher, da er beruflich unterwegs war.

 

Der Zug kam ganz pünktlich in Gotha an, so dass wir planmäßig zum Kaffe in Neuhaus sein würden! Wenn jetzt noch HD gut und pünktlich mit dem Auto von Richtung Holland eintraf, war unsere Logistik voll aufgegangen!

 

So kam es auch. 16 Uhr konnte wir alle gemeinsam bei Siegels Kaffe trinken. Später dann die Startunterlagen für den morgigen Lauf holen und dann die Stimmung in der Sporthalle in Neuhaus auf uns wirken lassen. Die Rouladen schmeckten wie immer vorzüglich!

 

Zwei kleine Schönheitsfehler traten allerdings auf. Zum einen war HD so erkältet aus Holland angereist, dass er leider nicht wie geplant am nächsten Tag mit und starten konnte, sondern den Fanclub verstärkte. Eine wirklich richtige und sehr vernünftige Entscheidung.

Die zweite Sache war, dass ich mit Magenproblemen zu kämpfen hatte und Durchfall schon am ganzen Tag mein Begleiter war.

 

Ich redete nicht drüber und sagte nur, dass ich mich nicht so richtig gut und etwas geschwächt fühlen würde.

Die allgemeine Meinung war: Ach, das ist die Nervosität und Aufregung, weil Du Dich wieder mal zu sehr unter Druck setzt. Du hast dieses Jahr so gut und viel trainiert und willst es uns zeigen!

 

Ich widersprach nur halbherzig, hoffte aber, dass die Magenprobleme am nächsten Morgen vorbei sein würden. Ich konnte einigermaßen gut schlafen und fühlte mich am Starttag früh viel besser!

 

Nach einem Blick aus dem Fenster und einem zweiten auf das Thermometer entschloss ich mich, doch "lang" zu laufen. Diese Entscheidung bereute ich nicht, denn wärmer als 15 Grad wurde es nicht und der Wind blies die ganze Zeit über doch ganz schön.

 

Auf den Höhen des Thüringer Waldes fühlte ich mich in meiner "Anzugsordnung" ganz wohl.

 

Kurz vor Acht Uhr machte ich mich gemeinsam mit Esther zum Startgelände auf den Weg. In der Sporthalle trafen wir noch drei Lauffreundinnen aus dem "Streakrunner-Forum", die sich auch auf die Laufstrecke begeben wollten.

 

Ich begab mich zum "Einlaufen" in den Wald hinter dem Startgelände und 15 Minuten vor dem Start begab ich mich zum Wagen mit der Blaskapelle und traf mich wie verabredet mit Jan Köhler aus Waltershausen.

 

Er ist seit einiger Zeit auch Läufer (woran ich nicht ganz unschuldig bin) und hat bereits ein beachtliches Niveau erreicht.

Wir hatten im vorigen Jahr bereits einen 6 Stunden Lauf gemeinsam bestritten und wollte seinen ersten Start am Rennsteig in Neuhaus gemeinsam angehen.

 

Insgesamt gesehen ging dieses Vorhaben sehr abenteuerlich aus!

 

Nachdem der "Schneewalzer" gesungen und geschunkelt war, und der Hubschrauber seine Kreise über dem Starterfeld gezogen hatte, wurden die letzten Sekunden heruntergezählt und es ging los!

 

Die nächste halbe Stunde sollte die härteste werden, die ich bisher in einem Lauf erlebt hatte!

 

Geschwächt durch die Magenprobleme des Vortages (wahrscheinlich) fühlte ich mich noch auf dem ersten Anstieg in Neuhaus so was von kraftlos und kaputt, dass ich dachte, es gar nicht aus Neuhaus heraus zu schaffen.

 

Was war denn das?! So etwas war noch nie da! 500 m gelaufen, noch 43 km und 700 Höhenmeter vor mir und dem Gefühl nach völlig am Ende!

 

Ich konnte nur eines denken:  Hoffentlich ist das eine Schwäche wegen gestern und nichts Ernsthaftes! Ich hörte auf dem Weg bis km 5 (dort stand das erste mal der "Fanclub") ganz genau in mich hinein.

 

Natürlich hatte ich gerade an diesem Tag keinen Pulsmesser angelegt!

 

Ich beobachtete mich selbst noch ein paar Minuten und beschloss dann, bei km 5 nicht in das Auto zu steigen. Außer dem Gefühl der völligen Schwäche traten nämlich keine weiteren Anzeichen auf, die auf eine gesundheitliche Gefährdung hätten schließen lassen.

 

Es ist nämlich zu einer festen Regel bei mir geworden, dass ich ein Rennen niemals nur aus einem Gefühl der Schwäche heraus abbreche. Sonst müsste man ja fast jeden Marathon aufgeben. Denn ein Schwächegefühl hat man beinahe bei jedem davon.

 

Nur eine gegebene Gefährdung der Gesundheit oder eine Verletzung sollten Aufgabegründe sein!

 

So sagte ich zu Christine nur, dass ich mich gar nicht gut fühlen würde, aber weiter laufen wollte. Falls es noch schlimmer würde, würde ich ins Auto steigen!

 

Ihre Antwort war nicht gerade tröstlich und lautete "Ja, Du siehst auch furchtbar aus!"

 

Ich wusste aber, dass sie sich ab sofort große Sorgen machen würde!

 

Am Ortsausgang von Neuhaus hatte ich Jan voraus geschickt und ihm gesagt, dass es heute bei mir nichts werden würde. Er wollte es erst gar nicht glaube, lief dann aber dann doch nach vorn weg. Er wollte seinen ersten Start gut abschließen.

 

Er konnte da noch nicht ahnen, dass es alles andere als sein Tag werden würde!

 

Ja, wie ging es mir nun weiter? Bis etwa km 15 konnte ich mit allem Einsatz sogar noch einen Schnitt von knapp unter 6 min/km laufen. Ich spürte aber auch, dass es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange so weiter gehen würde.

 

Dann kam Masserberg und der Schleim! Dann kam der berühmt berüchtigte Hohlweg mit kurzzeitigen Stillstand  durch Stau und für mich auch dort "erhohlsamen" Lauf bergab - trotz Wurzeln und Steinen.

 

So kam es, dass ich mich unter im Tal so weit erholt hatte, um den langen Anstieg hinauf nach Kahlert anzugehen. Überraschenderweise gelang es mir sogar, ihn durchweg zu laufen!

 

In Kahlert wollte mich Christine zur Aufgabe überreden, da ich wohl noch nicht viel besser aussah als bei km 5.

Doch ich hatte mich bereits mehr als die Hälfte der Strecke gequält, was nicht umsonst gewesen sein sollte.

 

Ehrlich gesagt, fühlte ich mich sogar ein wenig besser als am Anfang!

 

Schnell war ich drüben in Neustadt, wo ich mir ein Gel und zwei Becher Cola gönnte. Der Magen nahm es an und ich eilte DEM Berg entgegen, den jeder Läufer auf dieser Strecke kennt und fürchtet.

 

Richtig steil geht es nach oben, was bei km 32 noch steiler erscheint, als es wirklich ist.

Der Berg ist nicht sehr lang, aber eben richtig deftig!

 

Es ist schon eine Kunst, wieder anzulaufen, wenn es ein wenig flacher wird.

 

Als ich oben war, fühlte ich mich noch besser, als vorher in Kahlert und ich begann, wieder an ein gutes Ende zu glauben.

Meine Zielstellung hatte ich längst von "unter 4:30" auf "unter 5" revidiert.  An einem Erreichen des Zieles zweifelte ich schon nicht mehr!

 

Ein mal bin ich noch ein etwas längeres Stück gegangen. Den Berg vor Frauenwald hoch ist man aber mit flottem Gehen kaum langsamer als mit gequältem Laufen!

 

In Frauenwald noch eine Cola und dann erlebte ich es wieder - das Zurückkehren der Kraft auf den letzten 5 Kilometern des Rennsteig-Marathons. 

 

Es tollte, als wäre kaum etwas gewesen.  Ich war nur noch am Überholen und konnte die kurzen Steigungen, die noch kamen, alle durchlaufen - und das nicht mal langsam, denn es ging nun fast nur noch bergab.

 

Auch den Anstieg hoch zum Zielbereich in Schmiedefeld lief ich noch zügig und konnte ohne jedes Krampfgefühl so richtig ins Ziel beschleunigen.

 

Es war wie ein Wunder dieses Zurückkehren der Kraftreserven und der Energie. Ein Nichtläufer, der so etwas noch nicht erlebt hat, wird es wohl kaum glauben können!

 

Aber es gibt so etwas! Langstreckenlauf ist eine Kopfsache und eine Sache des Willens.

 

Der trainierte Körper hat ungeahnte Reserven. Man muss nur in der Lage sein, das Gehirn zur Freigabe zu bewegen!

 

Eigentlich ganz einfach!

 

Mit einer Endzeit von 4:44:53 Stunden lief ich über den Zielstrich, was Gesamtplatz 1541 von rund 3000 Startern und in der Altersklasse Platz 19. von 71 Läufern bedeutete!

 

Ich versuchte, Jan im Trubel im Schmiedefeld zu finden. Leider vergeblich!

 

Am Abend teilte er mir mit, dass er im Hohlweg kurz vor dem Ende schlimm gestürzt sei und sich das Knie schlimm lädiert hatte.

 

Er musste ins Krankenhaus gebracht werden. Dort stellte man zum Glück fest, dass die Kniescheibe heil geblieben war. Genäht musste die ganze Sache allerdings werden und eine Laufpause wird unumgänglich sein!

 

Im nächsten Jahr wollen wir es beide erneut versuchen und hoffen jetzt schon, erfolgreicher zu sein!

 

Auch Esther kam gut ins Ziel. Sie erreichte ihre Zielstellung und war mit sich zufrieden.

Sie ist inzwischen eine erfahrene Langstreckenläuferin geworden und hat schon oft bewiesen, wozu sie auf den Laufstrecken fähig ist. Sie war mit sich zufrieden, was sie auch konnte!

 

Jetzt bleibt mir nur noch, über den Titel dieses Laufberichtes aufzuklären.

 

"Ich werde keine Ultramarathons mehr laufen! Im April in Tangermünde gelang es mir seit 2009 das erste mal wieder, einen Marathon unter 4 Stunden zu laufen.

In dem Bereich sehe ich die besten Möglichkeiten für mich. Ich werde versuchen, auf der Marathonstrecke ein wenig schneller zu werden und dafür keine Ultras mehr zu machen!

Beides - Training für Ultramarathon und Training für Marathon unter 4 Stunden - geht in meinem Alter nicht mehr! Ich musste mich entscheiden und habe es beim Überlaufen der Ziellinie am 17. Mai 2014 in Schmiedefeld getan:  22 Ultramarathons von 43 bis 100 km sind genug!"

 
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