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Laufen - mein Leben
Gerd Müller aus Havelberg
   
   
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Boernie Du warst grossartig
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"Aus der Not geboren" - 2x50 km Staffel beim TU 2014

TU - natürlich Thüringenultra und bekannt in Läufer- und besonders in Ultrakreisen.

 

Es war der 8. TU, der in diesem Jahr vom "Lauffeuer Fröttstädt" veranstaltet wurde.

Ich war immer aktiv dabei. Schlußläufer einer 4x25 km Staffel, 5x100 km und nun 2x Schlußläufer einer 2x50 km Staffel.

Eigentlich wollten wir vom Streakrunnerforum eine 4x25 km Staffel auf die Beine stellen.

Wir hatten auch gemeldet und wollten Carsten, der zum ersten mal die 100 km laufen wollte, hinterher jagen.

 

Eine Mix-Staffel sollte es sein. Leider kam es nicht dazu und wir waren plötzlich nur noch drei Läufer.

 

Zum Glück gibt es beim TU eine Teilnehmerbörse und ich wurde fündig. Wolfgang aus Erfurt erklärte sich bereit, als vierter Läufer bei uns mitzulaufen.

Da wir nun 3 Männer und eine Frau waren, wurden wir plötzlich zur Männerstaffel. Das störte uns aber nicht, da wir uns auf keinen Fall große Chancen ausrechneten. Die Teilnahme war wichtig und der Spaß und die Freude am Laufen sollten im Vordergrund stehen!

 

Die Freude währte nicht lange. Esther bekam massive Schilddrüsenprobleme und ein Start wäre unverantwortlich gewesen.

 

Was tun?

 

Wir entschlossen uns, nicht nochmals einen neuen Läufer zu suchen, sondern als Männerstaffel über 2x50 km zu starten.

Wolfgang wollte die Staffel anlaufen und ich sie ab Floh Seligenthal zu Ende bringen.

 

Bereits im vergangenen Jahr war dies bei mir das Programm gewesen. Da war ich auch so eine Staffel mit HD gelaufen. Beide hatten wir damals ziemliche Probleme.

 

Auch dem Lauf in diesem Jahr sah ich mit sehr gemischten Gefühlen enrgegen. Ich hatte mich ja auf eine Strecke von rd. 25 km vorbereitet. Gut vorbereitet mit viel Umfang und sogar Intervalltraining.

Aber es fehlten eben die richtig Langen Einheiten, die man unbedingt braucht, um solche Strecken gut zu laufen - besonders beim TU.

 

So ganz nebenbei ist das Wort "Höhenmeter" im Training für mich fast ein Fremdwort geworden. Was in Gotha eine Selbstverständlichkeit war, ist in Havelberg eine Seltenheit!

 

Aber wir wollten die Staffel retten und stellten uns der Herausforderung. Auch für Wolfgang war es das erste Mal, dass er so eine lange Strecke lief. Er war bisher noch nicht über die Marathondistanz hinausgekommen.

 

Einen Tag vor dem Lauf fuhren wir bereits nach Fröttstädt und trafen uns dort mit Esther und HD, die Zelte für die Unterkunft mitgebracht hatten. Wolfgang kam am Abend dazu und übernachtete auch mit im Zelt.

 

Es ist schon stark, dass Esther und HD, obwohl sie nun nicht mit liefen, trotzdem aus Mannheim anreisten, um uns zu unterstützen!

 

Fünf Uhr ging es los und Wolfgang lief unsere Staffel an.

 

Zusammenfassend kann ich hier sagen, dass er seine Sache großartig gemacht hat. Mit 6:12 h für seine schweren 54 km bot er eine klasse Leistung.

 

Allerdings war er doch ziemlich angetan und überrascht von den Schwierigkeiten, die diese erste Hälfte des TU bot. So schlimm hatte er es sich wohl doch nicht vorgestellt. Immerhin musste er 1300 Höhenmeter überwinden.

 

Für mich blieben also "nur" noch rund 1000 HM bis ins Ziel übrig. Das waren allerdings mehr als genug!

 

Da wir Wolfgang an mehreren Stellen angefeuert hatten, wussten wir genau, wann er etwa in Floh Seligenthal eintreffen würde und standen pünktlich an der Wechselstelle.

 

Ja - wir, denn HD wollte mich ein großes Stück  begleiten. Mich erst bis zur Ebertswiese nach oben "ziehen" und dann runter nach Tambach dafür sorgen, dass ich den Fehler vom vorigen Jahr nicht wiederholte. Nämlich diese lange Bergabpassage voll aufzudrehen und dies dann ab Finsterbergen zu büßen.

 

Hoch sind wir auf den meißten Abschnitten flott gewalkt. Wer schon mal hoch zur Ebertswiese unterwegs war, weiß warum!

 

Mit HD bergan zu walken war für mich eine Sache, die den Puls so richtig in Gang brachte.

Mit seinen langen Beinen geht er schneller nach oben, als ich es laufen könnte.

Ich hatte zwar gerade begonnen, aber wir waren diszipliniert und auch bergab lief ich dank HD´s Hilfe diesmal vernünftiger.

 

HD hatte übrigens viel weniger Training als ich. Es war also nicht unbedingt selbstverständlich, dass er noch bei mir blieb, als wir Tambach wieder verließen und uns der "Wand aus Teer" gegenüber sahen, die seit der Streckenänderung zur Laufstrecke gehörte.

 

Richtig steil, richtig! Als Tambach endlich hinter uns lag, waren wir echt außer Atem und es kostete Mühe, die folgende lange Waldstrecke laufend zu bewältigen, um nicht zu viel zeit zu verlieren. Ich schaffte dies gerade so und staunte nicht schlecht über HD, der gehend nur wenige Meter auf mich verlor und bald wieder da war.

 

Dann kam der lange Abstieg ins Tal vor Finsterbergen und ich ließ es nun doch rollen. ich machte keinen Druck, aber ich bremste mich auch nicht. Immerhin ist Bergab-Laufen meine Spezialität!

 

HD versuchte immer wieder, mich einzubremsen, aber dazu hätte ich noch mehr Energie verbraucht. Also ließ ich es rollen und ließ HD hinter mir.

Er hatte mir sehr geholfen und ich musste jetzt das Beste aus dem immer noch großen rest der Strecke machen.

 

Er war vernünftig genug, sich das nicht anzutun und mein Tempo bergab mitzugehen.

 

Finsterbergen war erreicht, der Fanclub (Christine, Esther und Grobi) war da und Wolfgang natürlich auch.

 

Esther fragte ganz besorgt: Wo hast du denn meinen Mann gelassen. Ich konnte sie beruhigen, denn er war nicht sehr weit zurück!

 

Meine Tochter Anja hatte in Finsterbergen vor paar Jahren mal zu mir gesagt: "Jetzt geht es ja fast nur noch bergab!"

 

An diese Worte musste ich denken, als die folgenden zwei langen Anstiege vor mir lagen.

Es war schon richtig schwer...und wurde immer schwerer!

 

Es war so weit! Es folgte das, was ich erwartet hatte. Auch in diesem Jahr der gewaltige Einbruch. Was folgte, war eine einzige Quälerei!

 

Allerdings nicht, weil ich unüberlegt gelaufen war und mein rennen nicht richtig eingeteilt hatte, sondern weil ich nicht richtig vorbereitet war.

 

Nicht richtig vorbereitet auf dies fast 50 km mit 1000 Höhenmeter!

 

Man kann nicht für 25 km trainieren und dann dem Körper plötzlich 50 abverlangen - das funktioniert nicht! Zumindest beim TU kann das nicht klappen!

 

Die Abschnitte, die ich gehend absolvierte wurden immer zahlreicher und ich erlebte wieder das Phänomen der Relativität - Die Kilometer wurden immer länger!

 

Ich musste mich richtig quälen und wohl nur meine große Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen, die ich seit 1988 gesammelt hatte, versetzten mich in die Lage, immer wieder anzulaufen und das Rennen erst im Ziel zu beenden!

 

Endlich war der Kilometer 95 erreicht, der legendäre Kilometer 95!

 

Schon von weitem sah ich Jan Köhler stehen, der versprochen hatte, mich an dieser Stelle nochmals richtig anzufeuern! Er hatte mich noch nicht oft so kaputt gesehen.

 

Ich lief nur noch "mit dem Kopf!"

 

Endlich war es so weit. Das gelbe Schild kam in Sicht: "Km 99 - Umkehren lohnt nicht".

 

Am Anfang der Zielgasse stand Wolfgang, der mich abholte, damit unsere Staffel gemeinsam über die Ziellinie laufen konnte.

 

Heute hatte ich mich im wahrsten Sinne des Wortes selbst besiegt. Aber - das kann mir jeder glauben - der Gedanke an ein Aufgeben war mir nicht ein einziges mal gekommen!

 

In einer Zeit von 5:41:58 hatte ich die 46,2 km zurückgelegt.

 

Wir hatten die Staffel "Aus der Not geboren" in einer Zeit von 11:54:41 h als 6. Männerstaffel von 10 nach Hause gelaufen! Es war für uns Beide ein hartes Stück Arbeit aber trotzdem irgendwie schön!

 
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